Stadt Bärnau – Wanderungen in der Oberpfalz

Wanderfahrt nach Bärnau vom 23. bis 30.06.2019

Unter der fachkundigen Organisation und Führung von Brigitte und Herbert fanden sich 25 Wanderfreunde zu 8 erlebnisreichen Tagen im Oberpfälzer Wald. Der Gasthof mit Pension “Zur Post” auf dem Marktplatz in Bärnau wurde zum Hauptquartier und zum Startpunkt zahlreicher Touren in die nähere und weitere Umgebung erklärt:

Der Sinn des Reisens ist an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein.”

Tag 1, Sonntag, 23.06., ca. 12,7 km: individuelle Anreise; ab 15.30 Uhr kleiner Ortsrundgang (Marktplatz, Nepomukbrunnen, Rathaus, Marienkirche, Altes Schloß, Kapelle, Knopfmuseum, mittelalterlicher Geschichtspark, Steinweg) mit Kaffeetrinken, ab 17.00 Uhr wandern wir am Moorweiher vorbei durch das kleine Örtchen Naab zum Hochmoor. Unterwegs finden wir viele durchaus essbare Pilze und machen Bekanntschaft mit dem Schwiegermuttergift, dem Fingerhut. Wir folgen der Beschilderung “Schnecken- und Eichhörnchenweg” und müssen im Moor feststellen, dass nur das Eichhörnchen übrig geblieben ist. Auf einer urigen Lichtung, inmitten von alten Ästen und knochigen Wurzeln erfinden wir uns neu und es geht an Wiesen vorbei wieder in den Wald hinein. An der Steinbergkirche genießen wir den Anblick des Bärnauer Kirchturmes. Wir wissen, dort wartet das Ziel! Vorher aber laufen wir eine malerische Kastanienallee, ein Stück eines alten Pilgerweges, entlang und bestaunen typische Heiligenbílder dieser Gegend, die hier in “Schreinen” hinter Glas den Weg Jesus zur Kreuzigung zeigen. 20 Uhr heißt es dann Abendessen, Ruhe und Stärkung für die erste Tagestour.

Sehenswürdigkeiten in Bärnau

Der ideale Tag wird nie kommen. Er ist heute, wenn wir ihn dazu machen.”

Tag 2, Montag, 24.6., ca. 11,5 km: Wir starten 8.58 Uhr zur Erkundung der näheren Umgebung. An einigen künstlich angelegten Forellenteichen vorbei erwandern wir ein weiteres Stück des Pilgerweges zum Schmuckerhof über den Steinberg, um danach entlang der Ländergrenze zu Tschechien zum Grenzlandturm zu kommen. Weil dieser wie der Turm von Rapunzel aussieht, fühlen die Mädels sich gleich wie im Märchen und holen ihre Handys für eine Fotosession heraus. Leider fehlt noch der Prinz… Mittags rasten wir an der Steinbergkirche inmitten von Wald, Flur und heiliger Kultur schmeckt es uns wie den Bauern, die hier vor hundert Jahren vom Heumachen pausierten. Wer weiß?… Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Leider hat in Bärnau jedes interessante Haus geschlossen, weil Montag ist. Der Großteil unserer lustigen Gesellschaft landet deshalb am Ende zum Kaffeetrinken wieder in unserem Hotel. Auch gut, denn hier schmeckt das Eis.

Willst du wissen, wie alt du bist, so frage nicht die Jahre, die du gelebt hast, sondern den Augenblick, den du genießt.”

Tag 3, Dienstag, 25.06., ca. 12,7 km: Mit “um die 30 Grad” ist ein heißer Tag angekündigt! Davon lassen wir uns natürlich nicht unterkriegen und erkunden eine weitere Route im Naturschutzgebiet Oberpfälzer Wald. Diesmal führt uns Brigitte über die Schutzhütte auf den Naaber Berg, von dem wir eine schöne Aussicht auf das bayrische und tschechische Umland haben. Eichhörnchen, Fingerhut und Pilze sind auch heute unsere ständigen Begleiter. Nachmittags genießen wir eine Abkühlung im Waldfreibad Altglashütte, schwimmen, rutschen und lassen die Seele baumeln. Abends packt Antje ihr Akkordeon aus und begleitet unsern Gesang bei “Hoch auf dem gelben Wagen” und “Das Wandern ist des Müllers Lust” und vieles mehr.

Manchmal beginnt ein neuer Weg nicht damit, Neues zu entdecken, sondern damit Altbekanntes mit ganz anderen Augen zu sehen.”

Tag 4, Mittwoch, 26.06., ca. 10,3 km: Unsere Wanderung führt uns bei Gluthitze von 35 Grad über den Kapellenweg zur Elisabethenkapelle und an Thannhausen vorbei weiter zum Naaber Gütl. Gegen 11 Uhr kommen wir an ein Gebiet samtiger, aber zollpflichtiger Waldwege – durch Schranke abgetrennt. Keiner von uns hat Geld.

Nördliches Oberpfälzer Naturschutzgebiet

Dass wir trotzdem alle durchkommen, ist unserer Herkunft geschuldet: Wir sagen, dass wir aus Sachsen und nicht aus Berlin kommen!!! Weiter geht es dann durch den Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald zurück nach Bärnau. Unterwegs finden wir wieder viele Exemplare der giftigen Sorte “Fingerhut”, die keiner aus unserer Truppe probieren will. Da wissen wir nun leider nicht, wie das Kräutlein wirkt, sollten wir es mal benötigen bei der Schwiegermtter. Schade, aber 2 bis 3 Blätter sollten schon reichen?… Und wenn die Schwiegermutter selber giftig ist, wird aus der Runde gefragt? Dann nimmste halt die ganze Pflanze!!! Mir wird jetzt Angst und Bange, will ich doch auch einmal Schwiegermutter werden. Wegen Gluthitze verbringen wir den Nachmittag im Freibad Altglashütte oder am Moorweiher Bärnau. Abends sitzen wir zusammen vor unserem Hotel und erzählen uns “Seemannsgarn” der Wanderer…

In Bärnau wird das Johannesfeuer angezündet

Das Vieles in unserem Leben anders kommt, als wir es uns vorgestellt haben, hat den Vorteil, dass wir viel weiter kommen, als wir eigentlich gehen wollten.”

Tag 5, Donnerstag, 27.06., Kulturtag: Heute frönen wir der Kultur in der Region Oberpfälzer Wald und fahren zum Klosterstift Waldsassen. Hier besuchen wir die Stiftsbasilika, die zu den bedeutendsten Barockbauten Bayerns gehört. Danach erleben wir eine Führung durch die Bibliothek der Zisterziennserinnenabtei, ein faszinierendes Meisterwerk mit handgeschnitzten Figuren. Im Kloster- und Naturerlebnisgarten erfahren wir Wissens- und Kräuterwertiges aus der Zeit von Hildegard von Bingen und Sebastian Kneipp. Wir bestaunen, befühlen und beriechen Pflanzen, die als Würz-, Heil oder Duftkraut Verwendung finden. Nach einem Einkauf im Gartenladl oder weiter oben im Klosterladen marschieren wir zum Katholischen Jugendheim zum Mittagessen. Nach einem kleinen Orts- und Stadtparkrundgang runden wir den Ausflug bei Eis und Kaffee ab. Am Nachmittag starten verschiedene Gruppenunternehmungen: Besuch des Knopfmuseums, Baden im Moorweiher … Abends ertönen erneut unsere musikalischen Talente.

In Waldsassen unterwegs

In der Stiftsbibliothek

Es gibt die Eitelkeit, den Aufschneider, den Ignoranten, Vermessenheit, die Neugierigkeit, die Heuchelei, Selbsterkenntnis!

Im Klostergarten

Im Knopfmuseum

Des Wandern Lust ist, dass man die Zwecklosigkeit genießt und die höchste Stufe ist, sich selbst zu finden.”

Tag 6, Freitag, 28.06., ca. 20,3 km: Dieser Tag soll mal nicht so heiß werden, statt über 30, lediglich so 25 Grad. Das müssen wir ausnutzen und richtig durchstarten zu unserer längsten Wanderung der Woche. Da wir bereits die Himmelsrichtungen Nord, Ost und Süd erkundet haben, geht es diesmal gen Westen. Vorerst laufen wir durch das ruhige Bärnau, wo wir heute deutlich mehr Leute auf der Straße und in ihren Grundstücken antreffen. Schnell ergeben sich beim Begrüßen kurze Gespräche über das Woher? und Wohin?. Eine gießende Dame verrät uns ihre nächste Aufgabe: Erdbeertorte backen! Na dann, bis später, sagen wir… Nach dem Queren der Unterführung weiß dann jeder, dass wir uns noch in bereits durchwandertem Gebiet befinden: es kommen gleich die Fischteiche, dann der Wald und kurz vor den nächsten Teichen – die geheime Bierquelle! Hier hält sich der Bauer? oder Fischer? in einem kleinen Nebenteich seine Biervorräte kühl. Heute sind die Flaschen schon weniger geworden, vielleicht ist der Besitzer sogar in der Nähe? Also, dann lassen wir ihm sein Eigentum und stärken uns aus unseren Wasservorräten. Frohen Mutes schreiten wir weiter und die geschnürten 2Wanderstiefel führen uns durch dichten Tannenwald, über weiche Graswege und blumengeschmückte Wiesen zum Ahornberg. Diesen umrunden wir weitläufig und streifen die kleine Ortschaft Marchaney, mit seinen 8 Häusern und der Kirche St. Jakobus. Wir finden einen älteren Herren, der uns freundlicherweise das Gotteshaus zur Besichtigung aufschließt. Die Kirche wurde bereits 1122 erwähnt, der heutige Bau entstand 1733. Die “Vierungskirche mit niederer Kuppel” gehört zu den kostbarsten Sehenswürdigkeiten der Oberpfalz. Über Thannenreuth und Wendern wandern wir weiter nach Ellenfeld. Hier hat uns die Wirtin vom Gasthof “Am Kastanienbaum” ein sehr schmackhaftes Mittagsmahl bereitet. Für die Gulaschsuppe hat sie nur selbst erzeugte Produkte verarbeitet und für die Soße des Fischgerichtes hat die Nachbarin einen Rindfleischfond “spendiert”. Allen mundet die bayrische Hausmannskost, so dass wir auch das Eis mit Früchten oder die Küchle probieren. Ja, die Wirtin versteht ihr Handwerk und weiß ihre Ware anzubieten…

Gestärkt legen wir dann die letzte Etappe des Tages auf dem Vizinalbahn-Radweg zurück und sehen bald die Kirchturmspitze von Bärnau. Nach dem Abendessen werden wir durch den Bierkeller des Gasthofes “Zur Post” geführt. Dort wurden früher die Bierfässer gelagert, als noch eine Brauerei zum Geschäft gehörte. Da es noch keine Kühlschränke gab, wurde mit dicken Eisblöcken gekühlt, die des Winters aus dem Eis der umliegenden Seen geschlagen wurden.

Felsenkellerführung

Die besten Dinge im Leben sind die Menschen die wir lieben, die Orte wohin wir gehören und die Erinnerung die wir auf unserem Wege gewonnen haben.”

Tag 7, Sonnabend, 29.06., ca. 13,3 km: Wir brechen zur letzten Tour auf. Gleich hinter dem Gasthof geht es an der alten Stadtmauer vorbei runter ins Tal des Steinbaches, drüber weg und den Kellerweg wieder bergauf. Wir kommen an der Wendermühle – einem Forellenhof mit entsprechenden Zuchtteichen – vorbei, queren den Heiligenbach sowie die Ortschaften Wendern und Tännersreuth. Unterwegs wachsen Kirschen, Erbsen und Erdbeeren. Wir sehen gemütliche Kühe grasen, Pferde und Ponys stürmisch galoppieren und dann auch noch lustige Lamas grinsen. In Schwarzenbach ist unsere Route schon fast zugewachsen und wir haben etwas Mühe durch Gestrüpp und hohes Gras zum Kirchsteig zu gelangen, der uns nach Ödwaldhausen führt. Von dort wandern wir über an Wiesen und Feldern vorbei, streifen kurz den Vizinalbahn – Radweg und die Waldnaab, bis wir dann über den Kapellenweg zurück nach Bärnau kommen. Für das Mittagessen sorgt heute jeder selbst und auch am Nachmittag kann jeder tun und lassen, was ihm oder ihr lieb ist: Baden gehen, Knopfmuseum, Kaffee trinken, Füße pflegen… Den Abend verbringen wir dann in geselliger Runde vor der Post und laden die anderen Gäste auf ein Ständchen volkstümlicher Weisen ein.

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.”

Tag 8, Sonntag, 30.06., Abreise:Nach dem Frühstück verlassen die 25 Wandersleute den beschaulichen Ort Bärnau und fahren per Auto oder Bahn dorthin, wo sie zuhause sind.

Ein Dankeschön – Gute Arbeit !!

An Brigitte und Herbert vielen herzlichen Dank für die Organisation der Wanderfahrt und allzeit “gut Stiefel”!!!

Text: Simone / Bilder: Gisela

2 Kommentare

  1. Pank, Monika

    Kompliment! Super Reisebericht.

  2. Barbara Kerber

    Ein sehr schöner Bericht, ich konnte nochmals alles nachvollziehen. Auch die Sprüche des Tages, super. Ganz herzliches Dankeschön , es war wieder eine sehr schöne Woche. Ich freue mich schon auf die Nächste.

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